Es fährt ein Zug nach Nirgendwo

Es fährt ein Zug nach Nirgendwo

„Es fährt ein Zug nach Nirgendwo.
Bald bist auch Du wie ich allein.
Sag doch ein Wort, sag nur ein Wort
und es wird alles so wie früher sein.

Oh, Maria, ich hab‘ Dich lieb.
Ich hab‘ Dich lieb, bitte glaube mir.
Was auch immer mit der anderen war,
das ist vorbei, ich schwöre es Dir.“

 Meiner fährt nicht nach Nirgendwo, sondern nach Linz. Aber ich mag das Lied von Christian Anders. Es ist so ein richtiger Schmachtfetzen und am liebsten würde ich es laut vor mich hinsingen. So dient es mir immerhin als schöne Überschrift, oder?

Im Zug nach Linz

Die Fahrt dauert nur 30 Minuten. Ich bin relativ selten mit der Eisenbahn unterwegs. Falls ich weiter verreise, dann frage ich doch tatsächlich, wie einst Udo Lindenberg, den Schaffner: „Entschuldigen Sie, ist das der Sonderzug nach Pankow?“ – Sicher ist sicher! Aber heute brauche ich nicht fragen und genieße meine Citytour. Ich mache mir einen richtigen Bummeltag ohne Stress. Keine Autobahn, keine Parkplatzsuche, kein Stau, sogar die Sonne scheint. Angenehmer Sitzplatz in Fahrtrichtung, ich kann mich entspannt zurücklehnen und aus dem Fenster schauen.

Als Schülerin hatte ich das tägliche „Vergnügen“ mit dem Zug fahren zu dürfen, allerdings war ich nach wenigen Minuten am Ziel. Das ist der Vorteil, wenn man an einem Verkehrsknotenpunkt liegt. Aber damals war es für mich kein Vergnügen, sondern der Weg zur Schule. Zwischen Schultaschen eingeklemmt stehen, eventuell noch rasch eine Hausübung erledigen – nein, ich will nicht mehr tauschen und bin froh, dass die Schulzeit hinter mir liegt.

Handy und Laptop sind Gesprächskiller

Obwohl ich nicht lange unterwegs bin, gibt es einiges zu beobachten. Kaum jemand mehr, der nicht auf sein Smartphone oder sein Tablet starrt. Manche schauen sogar während des Gehens darauf und es ist direkt verwunderlich, dass es nicht täglich zu Treppenstürzen kommt. Selbst Jugendliche, die sich gegenüber sitzen, sprechen nur manchmal miteinander. Im Normalfall tippen sie mit affenartiger Geschwindigkeit in ihre kleinen Minicomputer und müssen Nachrichten lesen, oder checken.

Aber auch die Erwachsenen sind nicht anders. Laptopwald, wohin man sieht, oder das Ohr am Handy. Ich suche nach Menschen, die sich anders beschäftigen. Es dauert eine Weile, dann entdecke ich immerhin einen Zeitungsleser und eine strickende Frau.

Damals

Da hat sich in den letzten Jahren enorm viel getan beim Verhalten der Zugreisenden. Früher suchte man einen Platz, an dem eine halbwegs sympathische Person als Fahrgast zu entdecken war. Im Hinterkopf keimte schon der Gedanke, ob man mit dieser Frau oder diesem Mann wohl ein Gespräch anfangen würde bzw. worüber man sprechen könnte. Meistens war das Bauchgefühl richtig und es entwickelten sich durchaus nette Gespräche. Über Reisen, Tätigkeiten, Hobbys, das Wetter – small talk eben.

Heutzutage hat man das Gefühl, dass Kommunikation unter Fremden nicht mehr gewünscht ist. Niemand scheint neugierig zu sein oder Interesse am Mitmenschen zu haben. Ich bin jetzt auch nicht die, die unbedingt jeden anquatschen muss, keineswegs. Bei 30 Minuten brauche ich keinen Gesprächspartner, da kann ich die Gegend betrachten oder lesen. Aber Menschen sind oft stundenlang im Zug. Wenn ich länger unterwegs bin, dann freue ich mich schon über ein unkompliziertes Gespräch.

Welches Reisegepäck ist an „Bord“?

So lasse ich meine Blicke schweifen und mein mittlerweile geschultes Taschen-Auge wird rasch fündig. Der Mann mit dem Laptop hat eine Delsey-Aktentasche. Ja, passt gut zu seinem sportlichen Outfit. Und der graue Rucksack der Jugendlichen – kann nur ein Herschel sein, richtig geraten!

In der Stadt betrachte ich natürlich sämtliche Auslagen. Jene von Liebeskind liegt direkt auf meinem Weg, da schaut man automatisch, vergleicht Modelle, Dekoration der Auslage und Preise. Dieses Mal schlägt mein Herz aber für meinen Lieblingsjuwelier, wieder einmal. Dabei wollte ich nur für meine Nichte etwas zum Geburtstag kaufen. Unverhofft kommt oft. Die Gelegenheit wird beim Schopf gepackt und außerdem gibt es doch immer einen Anlass (Hochzeitstag, Jahrestag, Geburtstag, Valentinstag, Muttertag, Weihnachten…) Hab dem Liebsten doch nur eine Arbeit abgenommen, oder?

Doch noch ein Gespräch

Nachdem ich also einen angenehmen Tag in der Landeshauptstadt von Oberösterreich verbracht habe, fahre ich wieder zurück. Und was sehe ich dann am Bahnsteig? Sie sind nach wie vor nicht ausgestorben, die uralten Riesenkoffer! Ein ganzes Set davon, drei verschiedene Größen, jeder mit zwei dicken Ledergurten verschlossen. Es gibt bei weitem bequemere, leichtere und schönere Koffer. Doch das Paar, dem dieses Reisegepäck gehört, geht liebevoll und zärtlich miteinander um. Im Zug sitzen sie vis-à-vis von mir und es dauert einen gefühlten Wimpernschlag, bis wir ins Reden kommen.

Sie feiern ihren 55. Hochzeitstag und fahren für ein paar Tage nach Innsbruck, in die Stadt, wo sie einander begegnet sind. Und anschließend noch ein paar Tage nach Meran, ins schöne Südtirol. Ach, wie romantisch. Ich erfahre einiges über ihr Leben, ihre Kinder, ihre Vorlieben. Viel zu schnell vergehen die 30 Minuten, wir hätten uns noch einiges zu erzählen gehabt. Schön, solchen Fahrgästen zu begegnen. Ich wünsche Ihnen viele weitere gemeinsame Jahre. Und die beiden wissen jetzt, dass es bei Styleshop24 eine große Auswahl an Reisegepäck gibt, das um einiges leichter zu transportieren ist. Vielleicht sieht man sich ja wieder.

Ein weiteres Lied

Auf meinem Heimweg geht mir erneut ein Lied durch den Kopf, diesmal von Sheena Easton. Es handelt ebenfalls von einem Zug.

My baby takes the mornigtrain.
He works from nine till five and then

he takes another home again
to find me waitin‘ for him“

Mein „großes Baby“ nimmt den Morgen-und den Abendzug, um zu seiner Arbeit zu kommen. Und darum warte ich jetzt auf seine Ankunft und koche uns etwas Gutes.

One Comment

  1. Wieder ein schöner Beitrag, diese Beobachtungen teile ich mit Dir. Ja, mir fallen auch diese Lieder manchmal ein! Vor allem wenn ich mit dem Zug fahre, was ich sehr entspannend finde. Lg. Gabi

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