Frauentag – reicht ein Tag im Jahr?

Am 8. März 2017 wird der internationale Frauentag gefeiert. Weltfrauentag, Frauenkampftag, Tag der Frau, Tag der Vereinten Nationen für die Rechte der Frauen – so lauten andere Bezeichnungen dafür. Dieser International Women’s Day entstand in der Zeit um den Ersten Weltkrieg. Gleichberechtigung und Wahlrecht für Frauen waren die Hauptanliegen. Die Idee für einen besonderen Frauen-Kampftag ging von sozialistischen Amerikanerinnen aus. (Good old Amerika!) Gleichzeitig machten sich aber auch in Europa Frauen stark, um endlich wählen gehen zu dürfen – zum Beispiel die deutsche Sozialistin Clara Zetkin. Der erste Frauentag wurde am 19. März 1911 in Dänemark, Deutschland, Österreich-Ungarn und der Schweiz gefeiert. Seit 1921 ist nun der 8. März das Datum für den internationalen Frauentag.

In vielen Ländern ist der 8. März sogar ein gesetzlicher Feiertag. Und sogar in der Volksrepublik China bekommen die Frauen am Nachmittag arbeitsfrei! Viele Vorträge und Veranstaltungen finden statt, gelegentlich werden Damen auch verwöhnt und beschenkt.

Frauentag-Thema 2017:
„Women in the Changing World of Work: Planet 50-50 by 2030“

50:50 bei Bezahlung, Jobauswahl, Aufstiegschancen? Da liegt mir doch ein „wer’s glaubt, wird selig“ auf den Lippen! Möge ich mich irren, aber ich glaube es nicht, dass in den kommenden paar Jahren bis 2030 eine Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau bestehen wird. Ich spreche nicht vom Gender-Wahn auf dem Papier, der schon sehr absurde Formen annimmt. Den Frauen wäre es sicher egal, wenn einmal kein -innen irgendwo steht, wenn stattdessen in der Realität Gleichheit herrschen würde. Ich rede auch nicht  einmal von den vielen Ländern, wo Frauen oft sogar weniger wert sind als Vieh, wo sie versklavt werden, gegen ihren Willen verheiratet, ein Wahlrecht unvorstellbar ist etc. Auch in unseren zivilisierten Breiten ist von 50:50 noch lange kein Licht am Ende des Tunnels. Eine kleine Flamme, ein Funken Licht, ein heller Schein ja, aber bei weitem keine Erleuchtung!

Aber immerhin haben wir das Frauenwahlrecht. Vielen Frauen ist gar nicht bewusst, dass wir hier zu den Privilegierten gehören. Daher auch ein Aufruf: Liebe Frauen, geht zu jeder Wahl! Wir können schon ein Zeichen setzen mit unserer Unterschrift und bei einer Wahl ist unsere Stimme gleichwertig. Ganz viele Frauen weltweit werden noch lange Zeit oder sogar nie wählen dürfen! Sie kämpfen um das Frauenwahlrecht, setzen vielleicht sogar ihr Leben dafür aufs Spiel. Schon alleine aus Solidarität mit ihnen sollen wir wählen gehen.

Geläufige Praxis in der Arbeitswelt

Wir können uns natürlich auch für jeden Job bewerben, zumindest auf dem Papier oder per Email. Aber genommen werden meistens die Männer, wenn sie sich für die gleiche Position entscheiden. Und falls eine Frau auf Familie und Kinder verzichtet, um die Karriereleiter zu erklimmen, ist noch lange nicht gesagt, dass sie an der Spitze ankommen wird. Denn im Nu ist schon  wieder ein männlicher Bewerber aus dem Hut gezaubert, der doch viel geeigneter erscheint als die weibliche Kandidatin!

Es ist traurig aber wahr –  die Bezahlung von Männer und Frauen ist nach wie vor unterschiedlich, Eigenerfahrung inklusive. Im Großraumbüro erledigten fünf Frauen und ein Mann die gleichen Tätigkeiten. Er bekam tatsächlich mehr als seine Kolleginnen! Dazu kam dann noch gleich die offensichtliche Demütigung. Herren wurden von Chefseite mit Hand begrüßt, Damen nicht – wir waren quasi die Kopier-Mädchen und Bedienerinnen der Kaffeemaschine, die Mädchen für alles, aber keinesfalls gleichwertige Partnerinnen. Und so lange ist das noch nicht her!

Anderer Schauplatz, Amtsgebäude: Im Ton des Bearbeiters waren deutliche Unterschiede zu merken. Zuvorkommend oder kumpelhaft zu Seinesgleichen, kurz angebunden und unfreundlich zu weiblichen Antragstellerinnen. Wahrscheinlich kann jede Leserin Beispiele aufzählen, wie es sich mit der Gleichberechtigung verhält.

Männer bekommen keine Kinder

Ja, leider. Es ist nun einmal von der Natur so bestimmt – ausgenommen fragwürdige Experimente – dass Frauen Kinder bekommen. Und Kinder sind die Zukunft, in jedem Land.  Wer soll sonst für unsere Pensionen sorgen? Ich war (bin) gerne Hausfrau und Mutter, bin bei meinen Kindern geblieben und habe sie aufwachsen gesehen. Es war eine bewusste Entscheidung. Und als einmal ein Schulkind zu mir sagte: „Du musst reich sein, weil du bist daheim und musst nicht arbeiten gehen. Das würde ich mir von meiner Mama auch wünschen!“,  dachte ich, es hat tatsächlich Recht. Wir hatten ein ausreichendes Einkommen und daher konnte ich wählen – aber wie viele Frauen können das nicht? Wenn ein Einkommen nicht reicht oder die Frau Alleinerzieherin ist? Und wo bleiben dann die Kinder? Wer betreut sie, wenn die Mama in der Arbeit ist? Ein großes Thema am Frauentag. Krabbelstuben, Kinderhorte, Firmenkinderkarten, Papa-Karenz, Teilzeitarbeit – wenn Frauen möglichst rasch in die Arbeitswelt zurückkehren sollen, dann muss für eine geeignete Kinderbetreuung gesorgt werden. Nicht überall ist eine hilfreiche Oma zur Stelle. Vielleicht arbeitet sie noch oder wohnt viele Kilometer entfernt?

Sexuelle Belästigung, Macho-Sprüche & Co

Glücklicherweise musste ich mit keinen sexuellen Belästigungen an meinen Arbeitsplätzen Bekanntschaft machen. Aber man braucht nur die Augen und Ohren aufmachen, um zu sehen wie manche Männer ticken. Der Kellnerin auf den Hintern gucken, sich über die Oberweite der Praktikantin lustig machen, derbe Witze auf Kosten der Damenwelt – keine Seltenheit. Wäre ja einen Versuch wert: Dem ach so lustigen Sprüche klopfenden Arbeitskollegen beim Kaffeeautomaten auf den Hintern klatschen. Aber womöglich freut sich der noch und betrachtet es als Einladung für mehr. Dann lieber doch verbal für Grenzen sorgen. Ihn fragen, ob es ihm gefiele, wenn seine Frau/Freundin womöglich gerade das Objekt der Begierde wäre. Versteht mich nicht falsch, ich lache gerne herzhaft über einen guten Witz und spiele sicher nicht sofort beleidigte Leberwurst. Aber es gibt eben Grenzen, und die werden leider sehr oft überschritten. Respekt vor Männlein und Weiblein –  eine Selbstverständlichkeit, sollte man meinen.

Ein Tag ist nicht genug

Es ist gut, dass es den 8. März überhaupt gibt und die Forderungen, Wünsche etc. der Frauen zumindest an diesem Tage im Blickpunkt stehen und gehört werden. Und wir freuen uns auch über Aktionen oder wenn uns jemand etwas Gutes tut.

Aber viel besser wäre es, auf diesen Tag verzichten zu können, weil es 365 Tage im Jahr Gleichberechtigung gibt! 

 

 

 

 

 

 

 

 

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