Engerl

Engerl am Friedhof

Engerl am Friedhof

Allerheiligen, Allerseelen

Heute schreibe ich nicht über Taschen, auch wenn man bei den Spaziergängen am Friedhof alle möglichen Formen, Farben und Größen sieht. Ich hasse diese „Aufmärsche“, die Modeschau, das zur Schau stellen von Pelzmänteln, Hüten etc. Ein Gedenken an liebe Menschen, die bereits verstorben sind, sieht für mich anders aus.

Auch ich besuche den Friedhof, aber erst am Abend, wenn es ruhig und still geworden ist. Dann herrscht eine eigene Atmosphäre bei den Gräbern, die  schön geschmückt sind, ihr Festtagskleid tragen. Die Flammen der Kerzen hüllen die ganze Umgebung in warmes Licht. Der Ort wirkt nicht unheimlich, sondern friedlich und ruhig.

Was wird sein?

Großeltern, Eltern, Freunde, oft auch Kinder – wo sind sie nun? Gibt es ein Leben nach unserem Erden-Dasein? Gibt es ein Wiedersehen? Es sind Fragen, die sich wahrscheinlich jeder von uns stellt, egal ob er ein gläubiger Mensch ist oder nicht. Und irgendwie ist es gut, dass wir es nicht wissen, oder?

Neben den Blumenarrangements sind immer öfter Engel aus Stein zu sehen, die die Gräber schmücken. Einen Schutzengel haben, der auf einen aufpasst -was für eine schöne Vorstellung. Leider fliegt er oft auf anderen Bahnen, oder es kommt uns so vor, dass er seine Aufgaben vernachlässigt.

Vor ein paar Jahren, als ich eine ziemliche „Umstellungsphase“ in meinem Leben hatte, bin ich durch die Grabreihen geschlendert und habe ein paar solcher Engel fotografiert. Der Kitsch treibt auch hier besondere Blüten, aber ein paar sehr schöne stilvolle Engel waren schon darunter.

Als ich dann zuhause die Fotos durchsah, kamen mit die Gedanken zum folgenden Gedicht, das ich heute allen widmen möchte, denen es vielleicht gerade nicht so gut geht.

Engerl

Engerl aus Stoa,
i bin so alloa.
Wos i da sog,
da vor dem Grab,
des hearn nur mir zwa.

Engerl i g’spür
soviel Trauer in mir.
Do is so a Schmerz,
so schwa is mei Herz,
d’rum red i mit dir.

Engerl, geh‘ sag,
wann kummt da Tag,
wo i woas, wos i wü,
wo ma leuchtet des Zü
und i nimmermehr frag.

Du hörst ma zua,
host vo mir nu net gnua.
Bei dir derf i wanna
und mi zubi lahna,
do find i mei Ruah.

Engerl, leb wohl, guate Nacht,
halt weiter dei Wacht.
I muass wieder geh,
bei dir do war’s scheh,
hast ma’s Leben leichter g’macht.

Denken wir an die Verstorbenen, oder sagen wir lieber an die, die uns vorausgegangen sind. Erinnern wir uns an schöne gemeinsame Zeiten und sind wir dankbar, dass wir sie erleben durften.

 

 

 

 

 

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