Beobachtungen im Wartezimmer

Das leidliche Wartezimmer

Leider bleibt es einem nicht erspart – irgendwann muss jeder zum Arzt. Glücklich schätzen können sich jene, die dieses „Vergnügen“ nur selten haben. Bedauernswert sind die Menschen, die aus Gesundheitsgründen regelmäßig gezwungen sind, sich wieder einmal länger als gewünscht im Wartezimmer aufzuhalten. Dieses Jahr hat es mich einfach öfter „erwischt“ und so hatte ich die Gelegenheit, meine Mitmenschen zu beobachten. Wie sie die Zeit im Wartezimmer verbringen, welche Gespräche sie führen und in welchen Taschen sie nach allerlei Habseligkeiten kramen.

Die Ungeduldigen

Sie wissen nicht, ob sie stehen, sitzen oder gehen sollen. Warten ist so gar nicht ihr Ding. Sie gucken abwechselnd auf die Uhr, rufen Nachrichten auf dem Smartphone ab, gehen aufs Klo, holen sich Wasser aus dem Wasserspender und fragen mehrmals die Sprechstundenhilfe, wie lange es denn noch dauern wird. Mit ihrer Unruhe nerven sie die anderen Anwesenden und machen sie ungewollt nervös, falls sie es noch nicht sind.

Die Lesenden

Sie greifen, fast beinahe sie noch sitzen, nach den neuesten Zeitschriften. Wobei neueste Zeitschriften relativ ist. Ordinationen mit funktionierenden Lesezirkeln sind rar, aber immerhin gibt es sie. Es ist aber keine Seltenheit, wenn man ein Exemplar einer Illustrierten aus dem Jahre Schnee in Händen hält. So nach dem Motto: „Die Patienten sollen froh sein, wenn sie irgendwas zum Lesen bekommen“. Blöd ist nur, wenn man dann liest, wie sich der Star X in seiner neuen Residenz fühlt und man dann feststellen muss, dass dieser schon vor 2 Jahren gestorben ist. Keine Lüge, Selbsterfahrung!

Ich finde es toll, wenn verschiedene Magazine aufliegen, z.B. etwas über Wohnen und Garten, eine Reisezeitschrift, ein Sportjournal etc. Spezielles Service wäre eine Tageszeitung. Dann verbringt man die Zeit sinnvoll und bildet sich weiter. Einige Leute begnügen sich auch mit dem Lesen des Handys, was durchaus erlaubt ist. Nur nervig klingeln soll es nicht, bitte auf lautlos oder vibrieren schalten.

Die hektischen Umblätterer (sind bestimmt die Mitmenschen, die daheim beim Fernsehen den Finger auf der Fernbedienung haben) sind so schnell, dass sie gar nicht lesen können. Meiner Meinung nach ist das Journal für sie nur eine Ablenkung, eine Beschäftigung für die Hände. Die echten Leser vertiefen sich dagegen und genießen die Lektüre, sie bringt nichts so schnell aus der Ruhe. Beinahe bedauern sie es, wenn sie rasch aufgerufen werden.

Die Gesprächigen

Bei ihnen hat man manchmal das Gefühl, sie sind richtig gerne da. Vielleicht ist der Aufenthalt im Wartezimmer so etwas wie ein Stammtischbesuch? Schauen, wer wieder da ist. Fragen, wie es denn so geht oder einfach unter Leuten sein? Viele Menschen, besonders ältere, sind oft sehr einsam. Im Wartezimmer gibt es immer jemanden, mit dem man ein Gespräch führen kann. Man bekommt Aufmerksamkeit, Trost oder kommt zur Erkenntnis, dass der andere noch viel schlimmer dran ist als man selber. Und später kann man im Seniorenheim wieder erzählen, dass man beim Arzt gewesen ist, den Herrn XY getroffen hat oder eine alte Freundin.

Die Geduldigen

Und jene, die nicht gerne reden, sitzen eben schweigend da und ertragen ihr Schicksal ohne Murren. Ist eben so, dass man warten muss, gibt Schlimmeres. Vielleicht wird sogar der Kopf schwer und sie nicken kurz ein. Jedenfalls sind sie angenehm und haben eine beruhigende Wirkung. Allerdings sollten sie darauf achten, dass sie aufgrund ihrer Unauffälligkeit nicht übergangen oder vergessen werden!

Die Taschen-Karmerinnen

Hier habe ich bewusst die weibliche Form gewählt, da mir noch kein Herr unterkommen ist, der in einer großen Aktentasche gewühlt hätte. Höchstens den Laptop raus, aber das war’s dann auch schon. Die Damen dagegen – also, irgendwie können beim Arztbesuch die Taschen nicht groß genug sein. Kaum einmal, dass ich eine kleine Handtasche oder gar eine Minibag entdeckt hätte. Dagegen lassen sich geräumige Shopper, riesige Henkeltaschen und Rucksäcke im Wartezimmer blicken. Selbst ich wähle nicht die kleinste Umhängetasche aus, sondern entscheide mich für eine mittelgroße Handtasche. Man könnte ja etwas vergessen! Erstens braucht man alle seine Utensilien, zweitens eventuell einen Befund oder ein Röntgenbild und drittens muss noch Platz sein für die Medikamente, die man im Normalfall verschrieben bekommt.

Unlängst war es aber wirklich lustig, als ich mich bewusst auf das Beobachten konzentrierte. Eine Dame räumte sämtliche Habseligkeiten auf den Nachbarstuhl, auf der Suche nach dem Handy. Dieses war dann in der Jackentasche. Neben dem üblichen Krims-Krams lagen da etliche Zuckertütchen, mindestens drei Packungen Kaugummi, zwei Uhren, ein Vorrat an Hustenzuckerl, mehrere Kulis und Notizblöcke, ein Hundehalsband, eine Kekspackung, eine Flasche Wasser, Probetuben einer Apotheke, ein fettes Fotoalbum,  eine Ersatztasche und, und, und. Da war es kein Wunder, dass ihre „Handtasche“ eher einem Weekender für einen Kurzurlaub entsprochen hat.

Die meisten suchen nach dem Telefon, einige werfen einen Blick in den Kosmetikspiegel oder kämmen sich rasch die Haare. Die Naschkatzen stecken sich Bonbons in den Mund und die Durstigen halten die Wasserflasche bereit. Trägerinnen von Schals oder Jacken ziehen diese aus oder hängen sie um, je nach Temperaturempfinden.

Fazit: Große Tasche ist beim Arztbesuch notwendig! Styleshop24 empfiehlt  die vielseitigen Shopper, die es ca. ab 30 cm bis zu einer Größe von 45 cm bei uns gibt. Ob unifarben oder bunt, aus Leder oder Stoff – das Sortiment ist riesig und ansprechend. Fast jeder Hersteller hat Shopper in seinem Repertoire. Die Damenwelt greift begeistert zu, weil diese Taschen unkompliziert sind, modisch, lässig und eben sehr, sehr groß!

Die Unhöflichen

Diese Zeitgenossen sind unfreundlich zur Sprechstundenhilfe, grüßen nicht, husten durch die Gegend und halten sich nicht die Hand vor den Mund, weichen keinen Zentimeter von ihrem Platz ab wenn es eng wird und vermiesen einem so richtig den Tag, an dem man doch etwas Positives finden möchte. Am liebsten würde ich diesen „Ungusteln“ ein Buch über gutes Benehmen in die Hand drücken. Ihnen keine Aufmerksamkeit schenken, ist wohl eine gerechte Strafe.

Die Pessimisten

Eigentlich sind sie arm dran, diese Schwarzseher, denen irgendwann der Glaube an das Gute und Positive abhanden gekommen ist. Sie sagen es schon jedem vor, dass es lange dauern wird und jammern auf hohem Niveau. Wie schlecht hier alles sei, wie krank die ganze Umwelt, kein Wunder, wenn wir alle sterbenskrank sind. Und die es noch nicht sind, werden es garantiert werden, früher als sie denken.  Und die Medikamente wirken gar nicht oder verkehrt. Was es da an Nebenwirkungen gibt! Sogar der Mitzi-Tante mussten sie den Fuß abnehmen, die hatte genau die gleichen Beschwerden wie der Herr da drüben… und der Pepi-Onkel ist auch an der Grippe gestorben, die gerade alle dahinrafft.  Sehr aufmunternd, da habe ich ja die allerbesten Aussichten! Aber warum sind die Pessimisten überhaupt hier, wenn eh nichts mehr hilft? Sollten sie nicht mit dem Bestatter gleich ihr Zuhause am Friedhof organisieren?

Das war jetzt böse. Aber wenn ich beim Arzt bin, dann hat das einen Grund und ich gehe hin, damit ich wieder gesund werde. Da will ich einfach nicht hören, was alles passieren kann, und schon gar nicht mit negativem Ausgang. Vielleicht bin ich da sehr sensibel, aber ich denke, anderen geht es auch so. Viel aufbauender ist es doch, wenn man hört, dass der Arzt sein Handwerk versteht, dass eine böse Erkrankung gut heilbar ist, usw.

So soll es im Wartezimmer sein

Aufruf an alle: Sprecht doch bitte nicht immer nur von den Krankheiten, deswegen sind wir ja hier. Erzählt irgendwas, vom Garten, vom Essen, von den Kindern, vom Tagesgeschehen, oder, wenn euch gar nichts mehr einfällt, vom Wetter. Das liefert zuverlässig Gesprächsstoff und wirklich jeder kann mitreden. Immer noch besser, als alle Krankheiten von A bis Z aufzuzählen.

Freundliche helle Wartezimmer mit genügend Sitzplätzen und aktuellem Lesestoff sind ausbaufähig. Und die „men in black“, sprich Pharma-Vertreter, sollen gefälligst außerhalb der Ordinationszeiten kommen, denn das nervt mich wirklich. Wenn die Personen mit dem schwarzen Koffer vorgelassen werden und dann geht eine lange Zeit bei den Patienten gar nichts weiter! Die haben ja unendlich lange Zeit zum Warten!

Ach, da werde ich ja aufgerufen. Hat ja nur 20 Minuten gedauert. Und dabei hieß es doch – ohne eine Stunde Wartezeit geht hier gar nichts!

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