Brief an das Wetter

Liebes Wetter!

Schon alleine die Anrede stimmt nicht. Liebes Wetter – von wegen, ich musste doch tatsächlich Mitte April die Autoscheiben von Schnee und Eis befreien! Also, hallo du Mistwetter! Was hast du dir nur dabei gedacht?

Lob und Tadel

Da lobt man dich, weil du schon im März den Frühling hast ahnen lassen, ja mit über 20° sogar den Sommer, und nun diese Eskapade. Für den ersten Grillabend war schon alles geplant und stattdessen wären nun Glühwein und heiße Maroni angebracht. Immerhin stehen die Sommerreifen noch in der Garage. Manchmal ganz gut, wenn man nicht gleich bei den Ersten dabei ist und alles auf die warme Jahreszeit umstellt. Diesmal sei dem Ehemann verziehen, dass es ihn am ersten sonnigen Wochenende nicht gefreut hat.

Auch die Heizung geht zum Glück noch. Aber Wetter, du bist so fies!  Da steigen die Kosten wieder beträchtlich wenn man sich anstatt in der Sonne zu wärmen mit Gas, Öl oder Strom behelfen muss. Kannst du denn gar nicht ans Börsel denken?

Hast du etwa einen Deal mit Regenschirm-Fabrikanten geschlossen? Immer wenn es regnet, dann haben unsere Schirme die Eigenschaft, dass sie entweder nicht zu finden sind oder gerade im Büro oder Zug vergessen werden. Oder, wenn du wieder einmal ein Date mit dem Wind hast, dass dieser sie verbiegt und sie gebrauchsunfähig werden. Sauwetter!

Winterfreuden, Winterleiden

Zu Weihnachten, wenn wir uns ein Winterwonderland wünschen, mit Eiskristallen und Schnee, da treibst du das Thermometer auf hohe Plusgrade. Wie üblich schaut es fast komisch aus, wenn der Christbaum festlich geschmückt ist und im Kerzenlicht strahlt. „Oh Palmenbaum, oh Palmenbaum, der kalte Winter bleibt ein Traum“. Wir schwitzen in der Daunenjacke und in Stiefeln.

Ja, und dann glaubt man schon, du hast dich einmal besonnen und sorgst ausnahmsweise für reichlich Schnee. Sogar im jahreszeitlichen Winter, machst den Skifahrern eine Freude und den Kindern, die endlich wieder einmal einen Schneemann bauen können oder fröhlich über den Hang rodeln. Kaum hat man sich daran gewöhnt, dass ein Bilderbuchwinter ist, da musst du es mit dem Eisregen im Februar wieder übertreiben! Die Anzahl der Gipsverbände ist in astronomische Höhen gerutscht und das Krankenhauspersonal hat dich wohl rund um die Uhr verflucht. Zugegeben, ich als Fotografin, habe mich auch gefreut. Es sind fantastische Bilder entstanden von Eiszapfen und Blättern, die aussahen, als von Glas überzogen. Und es stimmt: „Allen Menschen Recht getan, ist eine Kunst, die niemand kann.“ Ganz easy zu handeln sind wir also auch nicht, wir Menschen.

Eis-Rose

Frühling, go home!

Aber das ist wahrlich keine Entschuldigung für das aktuelle Desaster. Bockig wie ein kleines Kind, bist du. Da machst du uns eine Freude, lockst die Menschen ins Freie. Sie genießen das erste Eis oder Bier im Gastgarten. Voller Zuversicht betrachten sie die sprießenden Knospen und Blüten und räumen die eigenen Gartenträume, die in Keller oder Garagen überwintert haben, an die frische Luft. Sie setzen sich auf das Rad, gehen spazieren oder skaten durch den Park. Die Pollenallergie schiebe ich dir gar nicht in die Schuhe. Obwohl, dein Gspusi mit dem Wind  – aber lassen wir das.

Und was macht ein aufmüpfiges Kind? Es rebelliert, es tut mit Sicherheit nicht was die Eltern wünschen, sondern es macht das Gegenteil. Genau nach dem Motto „April, tut was er will“. Daher lässt du den warmen März ganz rasch aus unseren Gedanken verschwinden. Mit Blitz und Donner drohst du uns, Hagelkörner lässt du auf die frischaufgeblühten Obstbäume rieseln. Minusgrade lassen uns erschaudern und nur wenig Abgebrühte kramen nicht die Winterjacken und festen Schuhe hervor. Fragst du dich nie, was du damit anrichtest? Obst- und Gemüsebauern, Winzer – sie leben von den Ernten und bangen nun um diese. Väterchen Frost, auch so ein Verbündeter von dir, schadet ihnen sehr. Und es wäre nicht das erste Mal, dass ganze Ernten von Obst und Gemüse gering ausfallen. Ist das diese Trotzreaktion wert? Schäm dich!

Die Hoffnung stirbt zuletzt

Aber was macht man mit bockigen Kindern? Wir lieben sie trotzdem. Und so ist das auch mit dir. Einmal schimpfen wir, weil es uns zu kalt ist, dann jammern wir, weil es uns zu warm ist. Du hast es wohl auch nicht gerade leicht mit uns, deshalb verzeihe ich dir. Noch einmal. Aber nur, wenn du mir garantierst, dass der Sommer 2017 ein „Sommer wie damals“ wird. So einer wie in meiner Kindheit, als man wochenlang baden gehen konnte und nachts nicht ins Bett wollte weil es noch so warm war.

Hast du gehört, „liebes“ Wetter? Nutz deine Chance, sonst werde ich sehr böse!

 

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