„Der Berg ruft!“

„Der Berg ruft!“
(Luis Trenker, ital. Bergsteiger u. Schauspieler, 1892 – 1990)

„Dann lass ihn halt schreien!“ – das hätte ich noch vor ein paar Jahrzehnten geantwortet, wo mir ganz und gar nicht danach war, einen Berg zu erklimmen. Höchstens einen Gipfel der Lust – keine Angst, darüber berichte ich nicht!

Eigene Erfahrungen am Berg

Im zarten Kindesalter findet man ja noch Gefallen am Wandern. Es ist abenteuerlich einen reißenden Fluss zu überqueren (flacher Bach) und Vorräte für den Winter anzulegen (Kastanien, Eicheln, Steine, Muscheln, Wurzeln). Und wie laut Mama doch schreien kann, wenn ihr das Kind eine Freude bereitet und ihr einen Stinke-Käfer ins Haar setzt!

Wir versuchten auch unseren beiden Töchtern das Wandern schmackhaft zu machen. Wir erzählten stundenlang erfundene Geschichten, tollten auf Waldspielplätzen herum, fütterten Murmeltiere und schleppten Rucksäcke mit Proviant und Kuscheltieren.

Vergebens, sie begleiten uns nicht mehr und führen derzeit ein ganz normales, faules Teenagerdasein: Schlafen – Party – SMS-Schreiben ist Bewegung genug usw.

Aber mein Mann und ich, wir wandern immer öfter. Gemeinsam entdecken wir saftige Almen mit blühenden Wiesen und glücklichen Kühen, besteigen kleinere Berge und erfreuen uns an der atemberaubende Aussicht. Mein Herz hüpft jedes Mal wieder, wenn ich einen kristallklaren Bergsee erblicke und mich der Natur nahe fühle. Ein Schmetterling schwirrt vor mir herum, die Luft des Waldes riecht so frisch und die Stille (falls der Gatte den Mund hält) ist ein wohltuender Kontrast zu unserer lauten Welt. Ich spüre meine Sinne und empfinde Dankbarkeit.

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Keine Belohnung ohne Plage

Bevor es jetzt zu kitschig wird – ich schimpfe, wenn der Weg wieder länger als geplant ist oder wir uns verirren. Ich frage mich manchmal, warum tue ich mir das an. Besonders wenn es steinig ist und der Anstieg nicht enden will. Ich schwöre, das nächste Mal die Seilbahn zu nehmen, wenn ich mich plage, wie ein Dampfross schnaufe und schwitze. Konfuzius (chinesischer. Philosoph) sagt: „Der Weg ist das Ziel“ –  wieso geh ich denn dann überhaupt auf den Berg? Kann mein Weg nicht auch im Tal sein?

Aber dann, wenn der Wildbach rauscht, der Enzian blüht, die rettende Hütte in Sicht ist und die Berge im Abendsonnenlicht leuchten – dann weiß ich wieder, warum ich die Mühen auf mich genommen habe. Allerdings verstehe ich Miguel de Cervantes (spanischer Schriftsteller, 1547 – 1616) nicht, der doch glatt meint: „Der Weg ist immer besser als die schönste Herberge“ – vielleicht war das zu seiner Zeit noch so, in der Gegenwart freuen sich alle Wanderer auf Kaspressknödelsuppe, Kaiserschmarrn & Co. Außerdem gibt es komfortable Hütten zum Übernachten, falls man nicht mehr auf den besonderen Charme des Matratzenlagers steht!

Ausrüstung und Vernunft

Heutzutage trägt die richtige Ausrüstung viel dazu bei, dass das Wandererlebnis ein vergnügliches ist. Leichte Rucksäcke, wasserdichte Wanderschuhe und atmungsaktive Kleidung sorgen für Wohlbefinden. Was leider oft fehlt, das ist die Vernunft der Menschen. Durch Selbstüberschätzung bringen sie nicht nur sich selbst sondern auch die vielen Helfer der Bergrettung in Gefahr.  Ein Großteil der Bergunfälle könnte vermieden werden, wenn die Wanderer/Bergsteiger auf sicheren Routen bleiben. Und auch eine Umkehr ist keine Schande, wenn sich das Wetter verschlechtert.

Ich beende meinen heutigen Blog mit einem letzten Zitat von Johann Wolfgang von Goethe (1749 – 1832): „Nur wo du zu Fuß warst, bist du auch wirklich gewesen“. Zu seiner Zeit war der Großteil der Bevölkerung auch noch gezwungen zu gehen. Aber dennoch stimmt sein Ausspruch. Alles, was man selber erwandert/ergangen ist, prägt sich viel stärker ein und bleibt länger in Erinnerung. Meine Schwiegermutter weiß nicht mehr viel, aber Pässe, Berge und Almhütten kann sie jederzeit aufzählen.

Auf einen wanderbaren schönen Herbst!

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