Hamburg – Moin, Moin!

Moin, Moin Möwe in Hamburg

Möwe in Hamburg

Ein kleiner Reisebericht über 4 schöne Tage in Hamburg

„Moin, Moin“ – so wird man in Hamburg begrüßt und es ist egal, wenn dieses „guten Morgen“ auch am Nachmittag zu hören ist. Denn eines gleich vorweg – die Hamburger sind dermaßen freundlich, zumindest jene, denen ich begegnet bin. Besonders in der Gastronomie können sich da Herr und Frau Österreicher noch eine Menge abschneiden. Ebenso war ich von den Stadtführern begeistert. Egal ob im Bus oder bei der XXL-Hafenrundfahrt – Hamburg wurde auf spritzige und informative Weise den Touristen schmackhaft gemacht. Bei jedem Wort hatte man das Gefühl, diese Menschen mögen ihre Stadt und präsentieren sie auf die bestmöglichste Weise.

Die Anreise

Dieses Mal entschieden wir uns für den Zug, und zwar die billigste Variante mit dem Sitzabteil. Wenn man um 22.15 Uhr von Linz aus startet, dann erblickt man um 8.30 Uhr den Hamburger Hauptbahnhof. Und ich gebe es zu – ich habe ihn herbeigesehnt, da unser Abteil leider mit sechs Leuten voll belegt war. Mit Mann und Tochter wäre es fast ein Vergnügen gewesen, mit sechs Personen ist es grenzwertig. Aber da ich so freundlich von der Sonne begrüßt wurde und von keinem „Hamburger Schietwetter“, waren die Strapazen gleich vergessen. Wir verstauten unser Gepäck im Bahnhofsschließfach. Ich weihte übrigens meinen kleinen Delsey-Koffer ein, der sich perfekt als Wochenendbegleiter erwiesen hat. Die Erfindung der Trolleys war schon ein Hit, der das Reisen wesentlich erleichtert hat.

Erster Tag

Wie fast immer bei meinen Städtebesichtigungen starteten wir gleich mit einer Stadtrundfahrt in einem Doppeldeckerbus. Diese Stadtrundfahrten, bei denen man meistens beliebig oft aus- und einsteigen kann, bringen gleich einmal eine gute Übersicht über die Stadt, da man schon durch die meisten Viertel kommt. Wie schon erwähnt, erfuhren wir nicht nur einiges aus Hamburgs Geschichte, sondern auch Anekdoten und Witzchen über die Stadt.

Rund um die Binnenalster

Nach diesen informativen 90 Min. wollten wir uns die Füße vertreten und spazierten rund um die Binnenalster, in der sich die berühmten Alster-Schwäne immer noch wohlfühlen. Da sieht man schon, wo das Geld Zuhause ist und die reichen Hanseaten wohnen. Rund um den Gänsemarkt kann man dann auch so richtig Geld ausgeben – wenn man für die teuren Geschäfte genügend hat. In der ABC-Straße reiht sich ein Luxusgeschäft an das andere und sämtliche noblen Marken sind vertreten. Günstiger ist es in der Mönckebergstraße, die liebevoll als „MÖ“ bezeichnet wird. Dort finden die handelsüblichen Ketten alle Platz und in unmittelbarer Nähe gibt es gleich sieben große Einkaufspassagen.

Einkaufsparadies

Natürlich kam ich mehrmals an RIMOWA-Niederlassungen vorbei. Diese hochwertigen Pilotenkoffer sind in vielen Farben und Größen auch bei Styleshop24 im Angebot. Genau wie die edlen Taschen von Furla, Aigner, Bogner oder Guess, denen ich auf Schritt und Tritt begegnet bin. Nicht zu vergessen Tommy Hilfiger, dessen marineblauen Produkte besonders gut zum maritimen Charakter Hamburgs passen. Es gibt alles, was das Herz begehrt, nicht nur auf dem Taschensektor, versteht sich.

Um 14 Uhr konnten wir unser Hotel beziehen, ein kleines ***Hotel im Georgsviertel, das ich aufgrund seiner Nähe zum Bahnhof ausgewählt hatte. Es war tadellos, WLAN und Frühstück inkl. Dass die unmittelbare Umgebung ein „Glasscherbenviertel“ ist, bzw. der Stadtteil St. Georg als neuer Kiez gesehen wird, wusste ich aus dem Reiseführer/Internet, aber das betrifft den normalen Touristen überhaupt nicht. Eine gute Vorbereitung ist für mich unerlässlich, da kommt es dann kaum zu unliebsamen Überraschungen. Besondern Wert lege ich auf die Infrastruktur, Nähe zu U-Bahn, Lokalen, Zentrum usw., das spart vor allem eines – viel Zeit, die ich dann für sinnvolle Dinge nützen kann.

Hamburger Dungeon in der Speicherstadt

Nächste Station war dann das Hamburger Dungeon in der Speicherstadt. Wer noch nie in einem Dungeon gewesen ist – es ist lustig, gruselig, unterhaltsam, aber auch ziemlich eng. Menschen mit Platzangst und Berührungsängsten sei abgeraten! In verschiedenen Stationen durchwandert man die Stadt, irrt durch dunkle Gassen und bekommt eine Vorstellung, wie es wohl gewesen ist, als Hamburg in Flammen stand oder vom Hochwasser bedroht wurde. Man nimmt in einer Folterzelle Platz oder befindet sich plötzlich auf einem Piratenschiff, um zur Rettung des Oberpiraten Klaus Störtebeker zu eilen. Da man aber nicht rechtzeitig eintrifft, spricht nur mehr der geköpfte Kopf mit einem! Das Publikum wird von den Schauspielern munter miteinbezogen und im Nu ist jemand Opfer der Inquisition, begegnet einem Rachegeist oder darf eine Pestleiche öffnen. Am Ende der vergnüglichen 90 Minuten können Wagemutige noch mit dem freien Fall Bekanntschaft machen. Ich war dabei und sauste in die Tiefe!

Essen & Trinken

Natürlich dürfen Essen und Trinken nicht zu kurz kommen. Hamburg bietet eine Unmenge an Lokalen und Bars, für jede Brieftasche ist etwas dabei. Besonders gut speist man bei den Portugiesen und Italienern (es gibt ein eigenes Portugiesen-Viertel in Hafennähe), selbstverständlich in hervorragenden Fischlokalen, aber auch in urigen Kneipen, wo Studenten, Einheimische und Touristen gleichermaßen willkommen sind. Labskaus habe ich übrigens nicht probiert – ich stehe nicht auf Faschiertes mit Erdäpfelstampfbrei, roten Rüben und Gewürzgurken. Es sieht wie rosarote Kotze aus!

Planten un Blomen

Im Sommer um 22 h, ab September um 21 h gibt es noch ein schönes Schauspiel im Park „Planten un Blomen“ zu sehen. Nicht schwer zu erraten, dass dies Pflanzen und Blumen heißt. Dieser botanische Garten ist wunderschön angelegt, mit mehreren Teichen und Themengärten sowie einem riesigen Gewächshaus. Die Wasserorgel bietet täglich kostenlos eine halbe Stunde Programm mit musikalischer Untermalung. Die Wasserfontänen erstrahlen in verschiedenen Farben und Formen, passend zum Musikcharakter. Bei uns waren Melodien aus diversen Balletten zu hören. Zwar wurde es schon etwas frisch, aber das Schauspiel ist auf alle Fälle sehenswert. Und die Hamburger kommen mit Decken, Polstern, Prosecco und guter Laune in ihren Park.

Wir waren der Meinung, dass wir an unserem ersten Tag schon mehr gesehen hatten, als mancher Reisender an mehreren!

Zweiter Tag

Viertel St. Georg

Nach gutem Frühstück spazierten wir die Außenalster entlang, wobei man durch das Viertel St. Georg streift. Dort ist die Straße „Lange Reihe“ sehenswert, eine Ansammlung schöner alter Bürgerhäuser. Hans Albers wurde dort geboren, das Ohnsorg-Theater mit der Heidi Kabel Statue ist in der Nähe und das berühmte Hotel Atlantik. Kommt euch bekannt vor? Ja, alles klar, auf der Andrea Doria – der Udo Lindenberg residiert dort seit einer Ewigkeit. Und in St. Georg wehen die Regenbogenfahnen, Schwule und Lesben sind willkommen. Warum soll ein Mann nicht ein Tank-Top mit einem süßen Einhorn tragen? Meiner hat verweigert. Ehrlich – ist mir auch lieber so!

Außenalster

An der Außenalster reiht sich eine weiße Villa an die nächste und bereits am frühen Morgen wartet schon ein Heer von Gärtnern darauf, sich um die großen Gartenflächen derselben zu kümmern. Hier findet man die Obdachlosen und Drogensüchtigen nicht, diese schlafen in St. Pauli ihren Rausch aus oder im Schanzenviertel. Dort sind sie dann aber umso mehr präsent. Der Gegensatz zwischen Arm und Reich ist in einer Großstadt immer sehr krass.

Schanzenviertel

Im Schanzen- und Karolingerviertel gibt es viel Schräges zu sehen, die jungen Hamburger fühlen sich wohl. Second Hand Läden, zum Teil kunstvoll bemalte/besprayte Häuserflächen, Straßenkunst etc.

Speicherstadt

An der Speicherstadt kommt man bei keinem Hamburg-Besuch vorbei und sie zählt zum Weltkulturerbe mit ihren roten Backsteinbauten. Mein Ehegespons widmete sich dem Speicherstadtmusem. Museumsliebhaber kommen in Hamburg voll auf ihre Kosten. Ich bin mehr der Typ, der möglichst viel von der Stadt und ihren Bewohnern sehen will. Deshalb marschierte ich alleine herum, entdeckte das alte Gängeviertel mit seinen verwinkelten Gassen und suchte mir diverse Sehenswürdigkeiten, wie zum Beispiel den Hummel-Brunnen oder den Brahms-Würfel. Besonders toll fand ich die Atmosphäre rund um das Rathaus. Dort fühlt man sich fast wie in Venedig aufgrund des großen Platzes, der Alster-Arkaden und einem kleinen Turm. Haben Sie gewusst, dass Hamburg mehr Brücken als Venedig hat? Immer wieder trifft man auf welche beim Gang durch die verschiedenen Fleets und es bieten sich großartige Fotomotive an. So schön es ist – so gefährlich kann es bei Hochwasser werden, das wird einem so nah am Wasser klar.

Ausklingen ließen wir den Abend in einer richtigen Studentenkneipe, leicht verrucht aber richtig gemütlich mit einer Anzahl an guten Bieren, z.B. dem Jeva. Aber auch ein Aquavit, ein echter Kümmelschnaps, bringt nicht nur das Herz des Kapitäns zum Glühen. sondern auch das der österreichischen weiblichen Landratte. Da fiel das Heimgehen gar nicht so leicht!

Dritter Tag

Fischmarkt

Und wieder wurden wir mit herrlichem Sonnenschein begrüßt, und dies in aller Frühe. Am Sonntag ist nämlich der Besuch des Hamburger Fischmarktes Pflicht! Und der beginnt ca. um 5 h früh und endet gegen 9.30 h. Man sollte ihn aber nicht versäumen, weil sich unweit der Landungsbrücken ein lustiges Spektakel abspielt. Die Hamburger Schreihälse sind sehens- und hörenswert! Da fliegt dir schon einmal eine Banane um die Ohren (Bananen-Fred), versorgen sich die Hausfrauen kiloweise mit Nudeln (Nudeln-Olli) oder Fischen (Aale-Dieter). Aber es ist kein Nepp, im Gegenteil. Im prallgefüllten Bast-Einkaufskorb um ca. € 10,– befinden sich sicher Obst und Gemüse um einen vielfachen Wert. Oder wo bekommt man 4 Orchideenblumenstöcke um € 20,– oder eine ganze Wohnzimmer-Bepflanzung für € 30,–? Die Hamburger kaufen dort selbst ein und der Fisch ist wahrscheinlich kaum wo frischer als hier. Krabbenbrötchen gefällig? Currywurst? Fischsemmerl? Da schaut doch glatt das Schwänzchen des Fisches am anderen Ende heraus.

Hafenrundfahrt

Weiter ging es zur XXL-Hafenrundfahrt an der Elbe, von der man schon glaubt, auf dem Meer zu sein. Wir hatten uns für die zweistündige Rundfahrt entschieden, weil die Barkasse sowohl durch die Speicherstadt als auch zum riesigen Containerhafen fuhr und auch zum Kreuzschiffterminal. Schiffe ohne Ende, von klein bis unvorstellbar groß. Erst wenn man direkt vor so einem Containerschiff steht, mit seinem kleinen Boot, bekommt man einen Eindruck, was da alles verschifft wird. („Und wenn die Barkasse beim Festmachen anbumst, dann ist das der einzige Bums, der in Hamburg nichts kostet.“ Dies ist nur einer jener Sprüche, die unser junger launiger Matrose von sich gab).

Alter Elbtunnel und St. Pauli

Dann marschierten wir durch den alten Elbtunnel und was erwartete uns am Ende des Tunnels? Schietwetter! Es gibt es doch! Ein ziemlicher Hagel ließ im Nu die ganze Umgebung in Weiß erstrahlen und für die nächsten 2 Stunden war dann Regen angesagt, zum Glück kein allzu starker. Der Museumsliebhaber von uns erforschte die beiden Museumsschiffe RickRickmers und die Cap San Diego. Meine Tochter und ich machten St. Pauli unsicher. Hätte es nicht umgekehrt sein sollen? Aber nein, wir Mädels marschierten durch den Regen und ließen uns die gute Laune nicht verderben. Zuerst ging es zum Michel, dem Wahrzeichen Hamburgs – neuerdings ist es ja eher die Elbphilharmonie, das Millionengrab am Hafen. Dann suchten wir uns den Beatles-Platz, der etwas mickrig ausgefallen ist. 4 Blechfiguren – ein bisschen wenig für die Fab Four. Die Statue von Hans Albers ist extrem klobig, da hätte sich der fesche blonde Hans schon ein besseres Aussehen verdient! „Auf der Reeperbahn nachts um halb eins, ob du ein Mädel hast oder keins“ – sein Lied gefällt mir da schon um einiges besser. Meinem Kind sind das keine Begriffe mehr, die Zeit ist kurzlebig. Heute stehen Udo Lindenberg oder Otto für Hamburg, Fettes Brot oder Deichkind, nicht mehr Hans Albers oder Freddy Quinn. Die liebenswerten Ecken von St. Pauli kennen wohl nur Insider, für mich ist es keineswegs ein schönes Viertel, eher das Zuhause der verlorenen Seelen, der Ausgebeuteten, der Heimatlosen. Der Zahn der Zeit nagt an allen Ecken und Enden und die große Zeit von St. Pauli ist sicher Vergangenheit.

Gegen Abend kam die Sonne schon wieder zum Vorschein und so wurde auch am dritten Tag eine positive Bilanz gezogen.

Vierter Tag

Die Elfie

Der Abendzug ging erst um 20.30 h, also noch ein ganzer Tag Hamburg! Das Gepäck brachten wir wieder in unser bewährtes Schließfach am Bahnhof und dann erklommen wir die Rolltreppe der „Elfie“. 82 m hoch geht es zur Aussichtsplattform der Elbphilharmonie (noch gratis) und der Panoramablick auf Stadt, Hafen und Hafencity ist schon großartig. Ein beeindruckendes Bauwerk und die Konzertsäle sollen der Hammer sein. Trotzdem, könnten 800 Mio Euro nicht besser angelegt sein?

Miniaturwunderland

Ein Highlight jagte das nächste. Der Besuch der „Miniaturwunderwelt“ gefällt wohl jedem, da braucht man kein Eisenbahnliebhaber sein. Mit unglaublichen Details versehen eröffnet sich ein riesiges Abenteuerland dem Betrachter. Minimundus in Klagenfurt/Kärnten ist schon klein, aber hier ist alles winzig. Eine Figur ist nur 2,2 cm groß und es wimmelt davon. Amerika, Skandinavien, Italien, Hamburg und viele weitere Länder und Städte „in miniature“. Da bricht der Vesuv aus, Ufos landen, Flugzeuge heben ab, Schiffe befahren Meere, in einem Miniautokino läuft ein richtiger Film, ein Stadion voller Leute jubelt DJ Bobo zu usw. – es gibt wahnsinnig viel zu sehen und es würde wohl Stunden und Tage dauern, bis man jede noch so liebenswerte Szene entdeckt hat.

Ausklang

Die letzten verbleibenden Stunden verbrachte jeder von uns auf seine Weise. Mann ging mehrere Stunden ins maritime Museum, ein Muss für jeden Schiff-Liebhaber. Kind verzog sich in die Einkaufsstraße und in Hamburger Cafés und Frau eilte unermüdlich zu weiteren Sehenswürdigkeiten, u.a. die Hamburger Kirchen oder die gewaltigen Kontorhäuser, wie z.B. das Chile Haus oder das Afrika Haus. Und dann blieb mir immer noch Zeit, um in das eine oder andere Geschäft zu schauen, um Seemannszeug zu entdecken oder „Tüdel-Kram“. Ein gemeinsames Abendessen setzte den Endpunkt für diesen tollen Stadturlaub. Einziger Wehmutstropfen – das Abteil war auch bei der Heimreise mit fünf Personen besetzt.

Ein Musical wäre auch noch schön gewesen, aber sag niemals nie – die Stadt an der Elbe ist immer gut für einen Besuch! Moin, Moin!

 

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