Nicht für die Schule, für das Leben lernen wir – oder?

Lernen wir nun für die Schule oder für das Leben?

Das fragen sich jetzt wieder alle Schüler, die seit kurzem die Schulbank drücken. Lernen wir nicht nur, damit die Eltern mit uns zufrieden sind? Dass die Lehrer keinen allzu großen Stress machen? Dass wir für gute Noten belohnt werden?

Am Anfang ist es noch cool

Die meisten der kleinen ABC-Schützen sind ja noch eifrig bei der Sache. Endlich selber lesen können, das hat was. Da kann einem dann kein Erwachsener mehr ein X für ein U vormachen, da weiß man selber, was da alles so geschrieben steht. Bis heute ist das Lesen für mich eine der wichtigsten Errungenschaften. Die vielen Bücher, die ich im Laufe der Jahre verschlungen habe (nicht wörtlich, da wäre mir schon das erste im Hals steckengeblieben), das Eintauchen in das Meer der Geschichten – eine fantastische Erfahrung.
Und selbstverständlich auch das Schreiben. Und ich meine nicht nur lol oder  I♥you usw.  Gefühle und Stimmungen ausdrücken können, auf Papier bringen – ja, ich weiß schon, von mir aus auch auf dem Bildschirm, – Hauptsache irgendwo sollen sie aufscheinen.

Sogar die Rechenstunde hat ihre Berechtigung

Rechnen im Volksschulalter ist noch cool. Die Ergebnisse des Sparschweins zählen, mit der Oma verhandeln, dass man doch 10 Euro statt 5 Euro bekommt, die ersten kleinen Dinge eigenständig einkaufen usw.
Doch in den Folgejahren war es nur mehr furchtbar, ein endloser Kampf mit Rechnungen und Zahlen. Ängste vor der Mathestunde, Albträume, die mich sogar heute noch heimsuchen. Gott sei Dank ist dieses Thema vom Tisch, zumindest in der Realität.  Ich erlebte es nicht nur an mir selber, sondern machte das ganze horrorähnliche Szenario mit meiner Tochter nochmals mit. Wieder diese Gedanken, ob die Schularbeit positiv sein wird, ob sich das viele (wahrscheinlich falsche) Lernen gelohnt hat, ob das Schuljahr positiv abgeschlossen werden wird – es ist so schrecklich, ich fühle mit allen Betroffenen!

Die richtige Schulauswahl

Lernen wir für das Leben, wenn wir uns mit Jahreszahlen vollstopfen, versuchen physikalische Vorgänge zu verstehen oder Sätze in grammatikalische Bestandteile zerlegen?
Ja, wenn es die richtige Schule ist. Nein, wenn das Kind am falschen Platz ist.
Der angehende Mediziner braucht Latein, der Ingenieur für Tiefbau nicht. Den IT-Spezialisten interessiert die deutsche Literatur wahrscheinlich kaum, dafür möchte er programmieren lernen.  Es ist ganz wichtig, dass auf die Interessen und Fähigkeiten des Lernenden eingegangen wird, dass die Schule zu ihm passt.

Nichts ist schlimmer, als wenn das Kind den Wünschen der Eltern folgen muss. „Du gehst in die Handelsakademie, weil du den Familienbetrieb übernehmen musst“!  Mag schon sein, dass sich dies der Vater wünscht, aber wenn sich das Kind nun einmal nicht vorstellen kann, dass es im Büro landet, sondern viel lieber Medizin studieren möchte? Oder wenn der Zwangs- HTL-er überhaupt kein Interesse für Technik hat, sondern Lehrer für Deutsch und Musik werden möchte? Nur ein Beruf der Freude macht, führt zum Glück. Wir Eltern wollen doch alle, dass unsere Kinder glücklich sind, oder? Was hat man davon, wenn  Sohn/Tochter die Wünsche der Eltern erfüllen, aber dann zeitlebens unglücklich sind? Vielleicht den Job  irgendwie erledigen, aber nicht mit ganzem Herzen dabei sind?

Frauen und Beruf

Und die  Mädchen warten heutzutage auch nicht alle auf den Märchenprinzen (der dann wieder falsch abbiegt, weil er bis heute nicht weiß wo rechts und links ist) und sollen halt vor der Ehe „irgendwas für Haushalt, Friseur oder Verkauf“ lernen, diese Zeiten sind vorbei. Außer sie entscheiden sich persönlich für diese Jobs.

Geben Sie jedoch auch Ihren Töchtern die Chance, jene Berufe zu ergreifen, die sie als geeignet erachten. Die Chemikerin forscht im Labor,  die Mechanikerin kennt das Auto wie ihre Westentasche, die Amtsleiterin regiert auf der Gemeinde . Und umgekehrt ebenso. Die Kinder sind begeistert von neuen Kindergärtnern (Onkel und Tante sagt man ja nicht mehr) und Volksschullehrern.

Haushaltsmanagerin, Ehefrau und Mutter sind Aufgaben, die immer unterschätzt werden!  Ich spreche aus Erfahrung. Und für viele Frauen kommt der Zeitpunkt, wo sie sich bewusst dafür entscheiden. Aber heutzutage gibt es immer mehr Möglichkeiten, Beruf und Familie unter einen Hut zu bringen, bzw. nach einigen Jahren wieder ins Berufsleben einzusteigen oder Teilzeit zu arbeiten. Daher ist es nie verkehrt, sich um eine ordentliche Ausbildung zu kümmern.

Wir merken uns das, was uns interessiert

Natürlich braucht jedes Kind eine Grundausbildung und Österreich kann sich glücklich schätzen, dass es bei uns die Schulpflicht gibt. Ohne diesen Grundstock an Wissen ist es ziemlich schwierig, beruflich irgendwie Fuß zu fassen. Aber ab diesem Zeitpunkt sollten die Würfel gefallen sein – welche Schule oder Lehre passt. Der Mensch merkt sich das, was ihn interessiert. Warum kenne ich noch einige Dichter, kann ich Baustile zuordnen oder macht mir Englisch Spaß? Weil diese Dinge in meinem Gehirn gespeichert sind, auch auf der Festplatte. Warum erstelle ich keine Statistiken oder Buchungssätze? Weil der Kurzzeitspeicher schon längst gelöscht ist, endgültig. Gehört, irgendwie gelernt, gleich wieder vergessen. Wenn ich alles wüsste, was ich jemals gelernt habe, bzw. geglaubt habe, gelernt zu haben – dann wär mir die Million bei „wer wird Millionär“ zum Greifen nahe.

Wie heißt es schon bei Johann Strauss jun. in der Operette „der Zigeunerbaron?“

Ja, das Schreiben und das Lesen,
ist nie mein Fach gewesen,
denn schon von Kindesbeinen
befasst‘ ich mich mit Schweinen.
Auch war ich nie ein Dichter,
potz Donnerwetter Parapluie!
Nur immer Schweinezüchter,
Poetisch war ich nie!
Ja – Mein idealer Lebenszweck
ist Borstenvieh, ist Schweinespeck.

Also, lassen wir den Schweinezüchter doch Schweinezüchter sein (was natürlich nicht ausschließt, dass dies ein sehr gescheiter Mensch und hervorragender Geschäftsmann ist).

Sozialwesen

Eines lernt aber jeder in der Schule – ich spreche nicht vom Rauchen!  – sondern davon, dass der Mensch ein soziales Wesen ist. Dass ein Miteinander oft besser als ein Gegeneinander ist – zumindest im Kampf gegen die Lehrer. Freud und Leid werden geteilt. Freundschaften werden geschlossen, die oft ein Leben lang halten. Besonders auf  Sportwochen oder Projekttagen werden diese vertieft. Verbogene Talente kommen ans Tageslicht – die „Gernrednerin“ wird zur Klassensprecherin und übernimmt später vielleicht einmal eine politische Funktion. Aus dem Klassenclown wird ein hervorragender Kabarettist und aus manchen Schauspielern sollen schon Gouverneure und Präsidenten geworden sein.

Die Frage, ob der Mensch nun für die Schule oder das Leben lernt (gelernt hat), muss jeder selber beantworten. Tatsache ist, dass wir nie auslernen. Ich lerne meinen Mann immer wieder von neuen Seiten kennen, und ich bin bestimmt ein Roman mit vielen Fortsetzungen für ihn!

 

 

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