The winner is PORTUGAL

Nach  51 Spielen bei der EM steht der Sieger fest! Es ist Portugal! Das kleine Land hat den großen Gegner Frankreich bezwungen!

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Nicht immer entscheidet nur Können darüber, wer letztendlich eine EM oder WM gewinnt. Es gehört auch Glück dazu. In welcher Gruppe man landet, wer am Ende als Gegner überbleibt, ob die guten Spieler nicht verletzt sind oder gesperrt, usw.  Aber das ist alles schon wieder Schnee von gestern. Wir, die Zuseher (Sachverständigen, die natürlich immer alles besser wissen, viel mehr verstehen als die Schiedsrichter, sicher selbst das eine oder andere Tor getroffen und keinen Elfmeter vergeben hätten…), haben nun einmal Pause von einem Fußballereignis in diesem gewaltigen Ausmaß. Für die Spieler heißt es jetzt schon wieder an das Morgen denken, denn nach der EM ist vor der WM!

Aber egal, ob nun der Favorit gewonnen hat oder nicht (meine Italiener hätten weiterkommen müssen! So eine Leidenschaft! Mamma Mia! Nicht nur im Spiel – da werden meine alten Jugenderinnerungen wach! Aber das ist eine andere Geschichte!).  Wir haben  zum Großteil faire Spiele gesehen und Fans, die sich – bis auf ein paar Ausnahmen – zivilisiert verhalten haben.  Kleine Länder haben sich in den Vordergrund gespielt.  Mein Lob geht an Island und Wales, die mit Herz und Hirn weit gekommen sind. Der Schlachtruf der Isländer, das einfache aber prägnante „Huh“, und der lustige walisische Gesang, „…don’t take me home, I wanna saty here an drink all ya beer…“  haben der EM 2016 ihren Stempel aufgedrückt.

Und nun hat also Portugal die Grande Nation bezwungen.  Allen Unkenrufen zum Trotz – der Trainer, Ferdinando Santos, hatte Recht. Wer im Finale steht, der muss auch Fußball spielen können, immerhin ist es dann das 7. Spiel der EM. Und an Dramatik hatte das Finale alles geboten. Ein weinender Ronaldo, der schmerzverzerrt vom Feld getragen werden muss.  Und dann seine Tränen der Freude, als der schon ziemlich ausgeträumte Traum vom EM-Sieg, doch noch Wahrheit wurde. Was waren das für Bilder! Und es war ein Sieg des Teams, das ohne seinen Leader gewinnen musste.

Natürlich fühle ich auch mit den Verlierern, eine Niederlage tut immer weh.  Aber es kann halt nur einen Sieger geben. Eigentlich doch zwei, die zahlreichen Motten waren die unerwarteten Helden des Finales, sie setzten sich immer wieder ins Licht und zeigten keinerlei Respekt vor den Spielern.

Portugal hat lange auf einen EM-Titel gewartet und der sei ihm nun gegönnt. Aber dieses Land hat eine Menge mehr als Fußball zu bieten. Davon konnte ich mich bei einer Rundreise zur Frühlingszeit selbst überzeugen.

Das stolze Land mit seinen Entdeckern und Seefahrern verfügt über eine umfangreiche Geschichte, die jederzeit woanders nachzulesen ist.  Ich schildere hier nur persönliche Highlights aus meinem Reisetagebuch.

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Wir starteten im wunderschönen Porto, der Stadt mit den vielen Brücken, am Fluss Douro.  Natürlich durften wir den Porto verkosten, den typischen süßen Rotwein des Dourotales. Nicht nur den Wein, sondern auch die Kunst, kann man in der alten Universitätsstadt Coimbra studieren. Und wer durch zu viel Weingenuss das Studium vernachlässigt, der kann immer noch im Wallfahrtsort Fatima für eine gute Prüfung beten!

Für Liebhaber der gotischen Baukunst seien die Klöster Batalha und Alcobaca oder die Ritterburg in Tomar empfohlen. Legenden, Liebesgeschichten und tragische Ereignisse gingen dort Hand in Hand. Unbeschwerter und fröhlicher  geht es im bunten Fischerdorf Nazaré zu und im blumengeschmückten Obidos kommt das Fotografenherz auf seine Rechnung. Portugal im Frühling ist sowieso ein blühendes Paradies. Christrosen, Strelitzien, Hibiscus, Korkeichen…

Die Algarve (leider viel zu viel verbaute Küste am Atlantik) endet beim Cabo de Sao Vicente, der Südwestspitze des europäischen Festlandes. Es ist schon ein besonderes Gefühl, an so einem Endpunkt zu stehen und auf das Meer zu schauen, dessen Wellen sich an den bizarren Felsen brechen. Die Reichen fühlen sich in den Seebädern Estoril oder Cascais wohl, die Poeten, Träumer und Romantiker werden in Sintra  ihren Lieblingsplatz finden. Die bunten und kitschigen Paläste im Zuckerbäckerstil sind das Neuschwanstein Portugals.

Last not least beehrten wir selbstverständlich Lissabon, die großartige lebendige Hauptstadt. Durch die Alfama spazieren, Belemturm u. Jeronimuskloster besichtigen, mit dem Elevador de Santa Justa ein paar Stockwerke hochfahren oder vom Christo Rei einen atemberaubenden Blick auf die Stadt werfen – Lisboa sprudelt, ein nie versagender Quell von Entdeckungen!

Auch kulinarisch ließ der Besuch keine Wünsche offen. Frische Fisch und Meeresfrüchte, Kitz und Lamm am Spieß, Süßes aus Mandeln, Marzipan…

Ein Freund des „Fados“, dem Schicksalsgesang der Portugiesen, werde ich allerdings nicht. Sie mögen es mir verzeihen, aber für mich ist Fado fad.  Das mag aber daran liegen, dass ich die Texte, die  von unglücklichen Liebenden und der Sehnsucht nach der guten alten Zeit handeln, nicht verstehe.

Jetzt wird der Fado wohl eine Ruhepause einlegen  und fröhlichere Gesänge werden vom Sommermärchen 2016 erzählen, dem Sieg der Portugiesen bei der EM!

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